Vision und Strategie: Innovation durch Kooperation und Dialog

Die Transferstrategie der Hochschulen Offenburg (HSO) und Furtwangen (HFU) sowie der Universität Freiburg (UFR, im Folgenden: Verbundpartner) beruht auf der Vision, dass die Regionen Oberrhein und Schwarzwald-Baar-Heuberg zu einem gemeinsam wahrgenommenen und agierenden Innovationsraum Oberrhein-Schwarzwald zusammenwachsen. Damit sollen sich auch die bereits bestehenden Austauschprozesse in der Trinationalen Metropolregion Oberrhein (TMO) intensivieren. Langfristig sehen die Partner die Region Oberrhein-Schwarzwald als Bindeglied, das die Trinationale Metropolregion zu einem Vier-Länder-Lebens- und Kooperationsraum verbinden kann (Deutschland, Frankreich, Österreich und Schweiz). Inhaltlicher Kern dieser Vision ist, die Region Oberrhein-Schwarzwald im Hinblick auf die eingeleitete Digitale Transformation zu einer Modellregion für den Wissens- und Technologietransfer auszubauen.

Dazu haben die Verbundpartner eine umfassende strategische Zusammenarbeit im Themenfeld Transfer vereinbart, die darauf abzielt, derzeit fehlende Instrumente und Angebote (z. B. eine gemeinsame Transferplattform als Eingangsportal für Kooperationsanfragen) in einem abgestimmten Prozess zu entwickeln. Weiterhin sollen bei einzelnen Partnern bereits vorhandene Kompetenzen und Strukturen gemeinsam genutzt (z. B. Patentverwertung, Vertragsrecht) und erforderliche dezentrale Angebote vernetzt werden (z. B. Gründerservice und Kooperationsprojekte).

Ziel dieser hochschul- und hochschulartenübergreifenden Kooperation ist, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der Region ein umfassendes und zugleich einfach zugängliches Technologieangebot zu erschließen.

Zentrales Element der von den Partnern erarbeiteten Transferstrategie ist die Vision, dass es auch oder gerade in Zeiten großer, global ablaufender Transformationsprozesse und damit einhergehender Verunsicherung großer Bevölkerungsgruppen möglich und notwendig ist, Menschen durch Information, Zugang zu Expertenwissen und strukturiertem Dialog Orientierung zu geben, ihnen persönliche Entwicklungsmöglichkeiten („Empowerment“) aufzuzeigen bzw. zu schaffen und die gesellschaftliche Teilhabe an Innovationsprozessen zu stärken. Dieser Vision legen die Verbundpartner einen erweiterten Transferbegriff zugrunde, der auch Transfer zu zivilgesellschaftlichen Akteuren sowie Bürgerinnen und Bürgern einschließt und vor allem auch Rückkopplungsmechanismen gezielt stärkt.

Gerade für die beteiligten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) HSO und HFU, die unter dem erweiterten Transferbegriff bisher kaum wahrgenommen wurden, bedeutet diese Erweiterung eine Neujustierung des Transferbegriffs und eine graduelle Perspektivenerweiterung des Innovationsbegriffs, der gesellschaftliche Entwicklungen einschließt. Diese Perspektivenerweiterung soll in die langfristige Transferstrategie mit einfließen, wie sie in den sogenannten Struktur- und Entwicklungsplänen formuliert wird.

Die Entwicklung neuer Angebote und Instrumente des Transfers erfolgt unter dem Leitgedanken der Ausgewogenheit, um der kulturellen Vielfalt (Diversität) wie auch des Gender- und Generationenaspektes gerecht zu werden. Die Verbundpartner werden dabei ihre eigenen, in den letzten Jahren in diesen Bereichen erfolgreich erarbeiteten Ansätze und Prinzipien nutzen.

Im Hinblick auf den erweiterten Transferbegriff sehen die beteiligten HAW den Bedarf, die bisher eher zufälligen Interaktionen mit zivilgesellschaftlichen Gruppen strategisch zu entwickeln und zu systematisieren.

Die Verbundpartner – insbesondere die HAW – sind sich des Spannungsfelds bewusst, das mit einem erweiterten, über den klassischen Technologietransfer hinausgehenden Transfergedanken verbunden ist. Insbesondere erkennen sie an, dass mit der weiteren Öffnung zur Zivilgesellschaft neue Methoden und Konzepte der Wissensproduktion wie etwa Citizen Science einhergehen. Als weiteren Aspekt dieses Spannungsfelds streben die Verbundpartner eine quantitative und qualitative Verbesserung des konventionellen Technologietransfers an, indem bisher getrennte Kompetenzen und Angebote gemeinsam weiterentwickelt, modifiziert und durch neue Angebote ergänzt werden.

Diese Verstärkung erfolgt nicht zuletzt dadurch, dass eine Transferallianz Oberrhein-Schwarzwald gebildet werden soll, in der neben den antragstellenden Hochschulen die Hahn-Schickard-Gesellschaft für angewandte Forschung e.V. (HSG), der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen e.V. (wvib) und der Technologieverbund TechnologyMountains e.V. (TM) sowie die Strategischen Partner – Klimaschutz am Oberrhein e.V. (KPO) und die TMO mit ihren Säulen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft einbezogen werden. Die Partner der Transferallianz sind sich dabei ihrer unterschiedlichen Ausgangslagen, Kulturen und Interessen bewusst. Anstatt jedoch diese Perspektivenvielfalt einzuebnen und künstlich zu harmonisieren, wird das Spannungsverhältnis produktiv in einen regionalen und institutionellen Lern- und Entwicklungsprozess überführt. Diese Anerkennung von Vielfalt ermöglicht der Transferallianz die praktische Umsetzung visionärer Kooperations- und Dialogformen. Daher steht die Transferallianz unter dem Motto: “Transferallianz Oberrhein-Schwarzwald – Innovation durch Kooperation und Dialog” (ALTOS).

Im vorgenannten Spannungsfeld des erweiterten Transferbegriffs wurden im Rahmen der Entwicklung der vorgelegten Transferstrategie zehn Prinzipien formuliert, die als Leitlinien der Transferallianz zugrunde liegen und die Basis der Zusammenarbeit aller Allianzpartner bilden. Sie sind auch Grundlage dieses Kapitels und sollen zu „Regeln guten wissenschaftlichen Transfers“ weiterentwickelt werden.

Unbeschadet der Notwendigkeit, die Kriterien zur Messung des Erfolgs von Transfermaßnahmen insbesondere im Hinblick auf den erweiterten Transferbegriff zu schärfen, haben die Partner der Transferallianz ALTOS erste zentrale Output-Indikatoren zur Bewertung ihrer gemeinsamen Transferaktivitäten festgelegt, die in der Gesamtvorhabenbeschreibung dargelegt werden.